Der CoolTourist

will Sie auf höchst subjektive Weise zu einer Reise durch partielle Welten der Kultur einladen.

Auf den folgenden Seiten finden Sie u.a. aktuelle Rezensionen zu

Musik (Schwerpunkt: Americana, Folk, Country, Rock), Film, Sprechtheater und Belletristik (Schwerpunkt: deutschspr. Literatur des 20. und 21. Jh.)


Songs in Platin verwandeln?

Fox And Bones: American Alchemy

 

Die mittelalterlichen europäischen Alchemisten sahen ihr Opus magnum in der erfolgreichen Umwandlung eines Ausgangsstoffes in Gold oder in der Schaffung des Steins der Weisen. Mit ihrem dritten Album „American Alchemy“ hat das Duo Fox And Bones aus Portland, Oregon ähnlich ambitionierte Pläne. Sie wollen die Zeiten, als sie in leeren Räumen auftraten, mit ein paar Drinks bezahlt oder vom Veranstalter beschimpft wurden (so jedenfalls erinnern sie sich in dem Song „Already Here“), hinter sich lassen und aus ihren Kompositionen am besten irgendwas mit Platin machen. Die Chancen dafür stehen gar nicht schlecht, denn ihre Musik ist voll von ansteckendem Optimismus, eingängigen Melodien und treibenden Arrangements ...

 

Ausführliche CD-Kritik unter Hör.Test


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Thesen-Theater zum Tyrannenmord

Bernhard Schlink: 20. Juli. Ein Zeitstück

 

Nachdem Bernhard Schlink mit seinen beiden Erfolgsromanen „Der Vorleser“ und „Das Wochenende“ eindrücklich unter Beweis gestellt hat, dass man die Themen „Schuld in der NS-Zeit“ und „Terrorismus in den 1970er Jahren“ gleichzeitig differenziert, erkenntnisorientiert und dennoch unterhaltsam in erzählerische Form bringen kann, wagt er sich nun mit seinem neuesten Werk „20. Juli“ an die Problemstellungen der näheren Zukunft und in das Genre des Theatertextes. Dabei ist diese Gattung durch Ferdinand von Schirach, den Großmeister der Dilemma-Dramaturgie und des politisch-ethischen Diskurses bereits prominent besetzt und multimedial ausgewertet (vgl. „Terror“ oder „Gott“).

Schlink unternimmt einen gewagten Spagat vom Widerstand des 20. Juli 1944 zu dem politischen Engagement von fünf Abiturienten, die am 20. Juli des Jahres 2025 (?) den letzten Schultag mit einer Geschichtsstunde bei ihrem Leistungskurs-Leiter Ulrich Gertz absolvieren ...

 

Ausführliche Rezension unter Lese.Protokoll


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Zwischen Roy Black und Wim Wenders

Foto: Silke von Walkhoff
Foto: Silke von Walkhoff

Anlässlich des 50jährigen Jubiläums der Debüt-Doppel-LP von „Improved Sound Limited“ blickt Bandleader Axel Linstädt zurück

 

Axel Linstädt - geboren 1947 in Nürnberg - besuchte das Willstätter Gymnasium und machte dort 1967 sein Abitur. Zusammen mit seinen Klassenkameraden Rolf Gröschner (dr), Uli Ruppert (b) und Johnny Fickert (voc, g, fl, as) gründete er 1961 eine Band, die sich zunächst Pyjamas Skiffle Group, dann The Blizzards nannte. 1966 gewannen sie als Improved Sound Limited den Wettbewerb um die „Beste Beat Band Bayerns“ des Bayerischen Rundfunks. Danach wurde der Siegertitel „It Is You“ als Single bei Polydor veröffentlicht. In der Folge erschienen mehrere LPs: „Engelchen macht weiter“ (Filmmusik, 1969), „Improved Sound Limited“ (Doppel-LP, 1971), „Catch A Singing Bird On The Road“ (1973), „Rathbone Hotel“ (unter dem Bandnamen „Condor“ 1976) ...

 

Vollständiges Interview unter Hör.Test.Live


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Im Schweine-Transporter nach Frankreich

Anne-Laure Bondoux: Die Zeit der Wunder

 

Nach der Auflösung der UdSSR kam es ab 1992 zu einem Bürgerkrieg zwischen dem Staat Georgien und den sezessionswilligen Gebieten Abchasien und Süd-Ossetien. Gloria, die weibliche Hauptperson des Romans, schätzt die Situation im Kaukasus recht lakonisch ein: „zu viele Länder … zu viele Völker … die Grenzen verschieben sich und die Namen ändern sich ständig … zum Schluss bleiben nur Ruinen und unglückliche Menschen über“. Das ist der Ausgangspunkt für eine Geschichte, bei der der Ich-Erzähler Komaïl, dessen wahre Identität erst am Ende des Romans enthüllt wird, in anrührender Weise von einer langen Flucht nach Frankreich berichtet. Anne-Laure Bondouxs „Die Zeit der Wunder“ ist also ein Vorläufer jener Erzählungen, die vor allem während und nach der Flüchtlingskrise 2015 auf dem literarischen Markt feilgeboten wurden ...

 

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Kapitelman kritisch in Kiew

Dmitrij Kapitelman: Eine Formalie in Kiew

 

Der Ich-Erzähler Dima (der natürlich mit dem Autor Dmitrij Kapitelman identisch ist) lebt seit 1994 - damals war er acht Jahre alt - in Deutschland, nachdem er mit seiner Familie aus der Ukraine als Kontingentflüchtling eingewandert ist. Nun will er - 32jährig - die deutsche Staatsbürgerschaft erwerben, muss dazu aber in seinem Herkunftsland eine erneuerte Geburtsurkunde und eine zusätzliche behördliche Bestätigung ausstellen lassen. Nur eine Formalie? Keineswegs, denn das wäre auch für ein literarisches Projekt etwas dünn. Stattdessen entwickelt sich seine Flugreise von Leipzig nach Kiew zu einer kritischen Erkundung seiner früheren Heimat und zu einer Bewährungsprobe für den Zusammenhalt der Familie ...

 

Ausführliche Rezension unter Lese.Protokoll


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Mordnacht in Penzberg

Kirsten Boie: Dunkelnacht

 

Wahrscheinlich kann jede Kommune in Bayern eine Geschichte aus dem April 1945 erzählen. Doch selten dürften die Tage vor dem Einmarsch der amerikanischen Truppen so dramatisch verlaufen sein wie in der oberbayerischen Kleinstadt Penzberg, 50 km südlich von München gelegen. Historiker sprechen mit Blick auf den 28. April 1945 von der „Penzberger Mordnacht“, die zu den sogenannten „Endphaseverbrechen“ des Zweiten Weltkriegs gezählt wird. Die bekannte Jugendbuch-Autorin Kirsten Boie hat sich mit den Ereignissen vertraut gemacht und daraus eine spannende Novelle für Jugendliche (bewusst keine Dokumentation) konstruiert ...

 

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