Der CoolTourist

will Sie auf höchst subjektive Weise zu einer Reise durch partielle Welten der Kultur einladen.

Auf den folgenden Seiten finden Sie u.a. aktuelle Rezensionen zu

Musik (Schwerpunkt: Americana, Folk, Country, Rock), Film, Sprechtheater und Belletristik (Schwerpunkt: deutschspr. Literatur des 20. und 21. Jh.)


Von Hamburg ab in den Süden

Klaus Modick: Fahrtwind (Roman)

 

Was so alles passieren kann, wenn man auf ein altes Reclam-Bändchen stößt: bei Plenzdorfs Edgar Wibeau war es Goethes „Die Leiden des jungen Werther“ - noch dazu ohne Titelblatt -, das ihm während der Betrachtung seiner neuen Leiden in der DDR der 70er Jahre erstaunliche Parallelen aufzeigte. Beim Ich-Erzähler in Klaus Modicks neuen Roman ist es Joseph von Eichen­dorffs „Aus dem Leben eines Taugenichts“, das ihn an die einstige Studentenzeit vor knapp 50 Jahren in Hamburg erinnert, an ein Proseminar mit dem Titel „Liebe und Ehe in Romanen der Romantik“ und an den damals gescheiterten Versuch die alte Geschichte zu aktualisieren. „Warum es also heute nicht noch einmal probieren?“ ...

 

Ausführliche Rezension unter Lese.Protokoll


0 Kommentare

Houseless, aber nicht homeless

3x Oscar: Nomadland mit Frances McDormand

 

Die USA haben ab 2007 eine spekulativ aufgeblähte Immobilienblase mit darauffolgender Welt-Finanzkrise erlebt. Seitdem gibt es in diesem Land immer mehr - vorwiegend ältere - Menschen, die sich ein eigenes Heim nicht mehr leisten können und stattdessen mit einem Wohnmobil als Arbeitsnomaden auf der Straße sind. Die einen leiden unter dieser prekären sozialen Lage, die anderen kultivieren es als alternativen Lebensstil, als neue Form der postmaterialistischen Freiheit („Houseless, aber nicht homeless“). Über dieses Phänomen der amerikanischen Arbeitsgesellschaft hat Jessica Bruder 2018 ein Buch geschrieben (Nomaden der Arbeit. Überleben in den USA des 21. Jahrhunderts; Karl Blessing Verlag, München), das für die junge Regisseurin Chloe Zhao (1982 in Peking geboren, seit 1996 im Westen lebend) zur Basis ihres Drehbuches wurde ...

 

Ausführliche Filmkritik unter Film.Kritik


0 Kommentare

Spätes Meister-Werk

David Crosby: For Free

 

Blättert man durch das ABC der amerikanischen Singer/Songwriter lohnt es sich, bei C erneut anzuhalten, denn David Crosby hat eine neue CD herausgebracht, mit der er sich zu seinem 80. Geburtstag (am 14. August 2021) das schönste Geschenk macht. Über Jackson Browne sagte er übrigens, dieser sei der „verdammt beste Songwriter des modernen Amerika“. Bezüglich seiner eigenen Kompositionen kam er zu der Erkenntnis, er sei in seinen früheren Bands (The Byrds, Crosby, Stills, Nash & Young“) immer für die etwas verrückten Songs zuständig gewesen ...

 

Ausführliche CD-Kritik unter Hör.Test


0 Kommentare

Die Sisyphus-Frage: Geht alles bergab?

`

Jackson Browne: Downhill From Everywhere

 

Blättert man durch das ABC der amerikanischen Singer/Songwriter lohnt es sich, schon bei B anzuhalten, denn Jackson Browne hat eine neue CD (es ist immerhin seit 1972 schon sein 15. Studio-Album!) herausgebracht. In einer über 50jährigen Karriere hat er sich als „The Pretender“, als subtiler Beobachter von Land, Leuten und gesellschaftlichen Entwicklungen und natürlich auch als Komponist anrührender Love Songs (z. B. „Shape Of A Heart“) präsentiert. Mittlerweile ist auch das Altern und das Ende des Lebens ein Thema für den 72jährigen, der 1948 in Heidelberg geboren wurde, und so haben diese zehn fesselnden Gänsehaut-Songs fast den Charakter eines Vermächtnisses, einer Stabübergabe an die (über)nächste Generation ...

 

Ausführliche CD-Kritik unter Hör.Test


0 Kommentare

Entführung als Geschäftsmodell

Jörg-Uwe Albig: Das Stockholm-Syndrom und der sadomasochistische Geist des Kapitalismus

 

Es gibt Menschen, die nur Sachbücher lesen, weil sie beim Lesen etwas lernen wollen. Und es gibt Menschen, die sich der Belletristik verpflichtet fühlen, weil sie den Faktor Unterhaltung (oder altmodisch: Erbauung) für unverzichtbar halten. Für alle dazwischen, die das Beste aus beiden Welten kombinieren wollen, gibt es nun einen Hybrid-Roman von Jens-Uwe Albig, der sich auch auf eine Tagebuch-Notiz von Albert Camus beziehen könnte: "Wenn du Philosoph sein willst, schreib Romane ... man denkt nur in Bildern" (1935) ...

 

Ausführliche Rezension unter Lese.Protokoll


0 Kommentare

Im Bermuda-Dreieck der Irrungen und Wirrungen

Was ihr wollt

Theater im Kulturkammergut Fürth

im Stadtpark Fürth

 

Rechtzeitig zu Beginn der bayerischen Sommerferien hat das Zwillings-Geschwisterpaar Viola und Sebastian (Anna Botzenhardt und Alec Wagner) Abiturzeugnis und Schnelltest eingepackt und eine Kreuzfahrt in den sonnigen Süden gestartet. Weil aber der Vergnügungsdampfer in Seenot gerät, müssen sie sich als Schiffbrüchige an die Küste des Fantasialandes Illyrien (liegt irgendwo zwischen Mallorca und Tauris?) retten und verlieren sich dabei aus den Augen. Auf dem Überraschungs-Eiland regiert der liebestolle Herzog Orsino (Michael Nowak), dessen Avancen von der coolen Gräfin Orsina (Varvara Imas) nur mit lasziven Hüftschwüngen und einem Trauerschleier kommentiert werden. Viola schlüpft auf Arbeitssuche in dreiviertellange Lederhosen, setzt sich eine Schieber-Kappe auf und mutiert zum Transgender-Cesario. Damit eröffnet er/sie ein unübersichtliches Bermuda-Dreieck der Irrungen und Wirrungen, der Eifersucht und der Verwechslungen ...

 

Ausführliche Theaterkritik unter Schau.Bühne


0 Kommentare