Der CoolTourist

will Sie auf höchst subjektive Weise zu einer Reise durch partielle Welten der Kultur einladen.

Auf den folgenden Seiten finden Sie u.a. aktuelle Rezensionen zu

Musik (Schwerpunkt: Americana, Folk, Country, Rock), Film, Sprechtheater und Belletristik (Schwerpunkt: deutschspr. Literatur des 20. und 21. Jh.)


Haley allein im Studio

Haley Johnsen: London Sessions - Live From Abbey Road 

 

Das ist der Lackmus-Test für ambitionierte MusikerInnen: man nimmt sich zwei Gitarren (akustisch und elektrisch), eventuell noch eine Stomp Box und ein Fußtamburin, mietet sich für einen Tag (27. Februar 2019) fünf Stunden lang ein legendäres Studio (Abbey Road Studio One in London), sagt zu dem Toningenieur (Lewis Jones) „Just roll Tape“ und legt los. Die Singer/Songwriterin und Gitarristin Haley Johnsen aus Portland, Oregon, die schon vor einigen Jahren in der US-Talentshow „American Idol“ reüssierte (sie kam unter die Top 24), hat diese Herausforderung während ihrer vorletzten Europa-Tournee angenommen, und das Ergebnis ist beeindruckend ...

 

Ausführliche CD-Kritik unter Hör.Test


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Die Selbstzweifel des Vaters

 

Der neue Roman von Bov Bjerg: Serpentinen

 

Bov Bjerg hat in zwölf Jahren drei Romane geschrieben: zuerst 2008 „Deadline“, ein gewagtes Stück experimenteller Prosa, von dem ca. 250 Exemplare verkauft wurden, der Rest ging nach einem Lagerbrand in Asche auf. Danach 2015 „Auerhaus“, ein sehr unterhaltsames, manchmal etwas flapsiges Stück Jugendstil-Literatur mit mittlerem Tiefgang, das in Kürze zum Bestseller avancierte. Nun setzt Bjerg mit einem Kompromiss seine Werkschau fort: „Serpentinen“ ist eine ziemlich graue Geschichte über eine Mehrgenerationen-Vater-Sohn-Problematik, über Depressionen und Suizid, eine sehr schonungslose Familienaufstellung ohne „Familienbla“, die einige Motive aus dem „Auerhaus“ aufgreift, diese aber in ein anspruchsvolles poetologisches Konzept einbaut ...

 

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"Österreich wäre ohne Migranten genauso fad wie Deutschland"

Lesung Tonio Schachinger

Nürnberg, 3.3.2020 (Buchhandlung Jakob)

 

Tonio Schachinger (geboren 1992 in Neu Delhi, aufgewachsen in Nicaragua) studiert Germanistik und Sprachkunst in Wien. Mit seinem Debütroman „Nicht wie ihr“ kam er 2019 in die Shortlist für den Deutschen Buchpreis. Vor der Lesung in der Nürnberger Buchhandlung Jakob sprach er über seine Beziehungen zum Profifußball und über seine literarischen Ambitionen ...

 

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"Faust" - ganz aktuell

Lukas Rietzschels Debütoman

"Mit der Faust in die Welt schlagen"

 

Der Roman beginnt mit einer hoffnungsvollen, ja fast idyllischen Szene: die Familie Zschornack steht im Jahr 2000 in dem fiktiven sächsischen Ort Neschwitz an der Baugrube ihres eigenen Hauses, in das sie demnächst einziehen werden. Eine bundesdeutsche Normalfamilie mit dem Vater (Elektriker), der Mutter (Krankenschwester) und den beiden Söhne Söhnen Tobi (5) und Philipp (etwa 8). Der Roman endet fünfzehn Jahre später als Chronik eines Zusammenbruchs: der Vater hat sich von der Familie getrennt und lebt mit einer ehemaligen Freundin zusammen, Philipp (jetzt etwa 23) hat sich in eine eigene Wohnung zurückgezogen, verdient sein eigenes Geld, will sein eigenes Leben führen, Mutter musste wieder in eine kleine Wohnung umziehen und lebt dort mit Tobi (20), der sich mit dem Leitsatz „mich nervt die ganze Scheiße hier“ rechtsradikalen Kreisen angeschlossen hat ...

 

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Unplugged am südkalifornischen Lagerfeuer

Carla Olson & Todd Wolfe: The Hidden Hills Sessions

 

Im November/Dezember 2019 waren Carla Olson und Todd Wolfe auf Tournee in Europa (Bericht vom Konzert in der Fürther Kofferfabrik unter Hör.Test.Live), als bleibende Erinnerung haben sie dabei ihre aktuelle CD „The Hidden Hills Session“ zurückgelassen. Das Coverfoto mit Mandoline und Rhinestone Cowboy Outfit, aufgenommen in einer südkalifornischen Kakteenlandschaft weckt Assoziationen an die Zeit, als Bands wie The Byrds oder die Flying Burrito Brothers die Verschmelzung von langhaariger Hippie-Kultur und Country Music erprobten, wovon selbst Classic Rock Bands wie die Rolling Stones angesteckt wurden ...

 

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Warschauer Gangsta Rap

Dorota Maslowskas neuer Roman  "Andere Leute"   

 

Als Dorota Maslowska im zarten Alter von 19 Jahren ihren ersten Roman („Schneeweiß und Russenrot“, 2002) veröffentlichte, sprachen viele von einer literarischen Sensation - etwa vergleichbar mit dem Debüt des 20jährigen Bret Easton Ellis („Unter Null“, 1985) oder der 18jährigen Helene Hegemann („Axolotl Roadkill“, 2010): provokante Sprache, Authentizität, Tabubrüche, experimentelle Poesie - das waren die Ausrufezeichen, die diese jungen Schriftsteller setzten. Seitdem ist einiges Wasser die Weichsel hinabgeflossen und Mas­lowska legt nun, 17 Jahre später, als Popstar der polnischen Literatur schon ihren vierten Roman vor: „Andere Leute“. Von Altersweisheit jedoch keine Rede, der Mut und die Wut sind ungebrochen, die knapp 160 Seiten sind ein wuchtiger Poetry Slam ins Gesicht der Leser. Was sich da an drei Tagen kurz nach Weihnachten in der Welt der Warschauer Plattenbauten rund um die Hauptperson Kamil Janik (32) abspielt, erinnert stark an Alfred Döblins „Berlin Alexanderplatz“ - allerdings in einer verschärften Neuköllner Gangsta-Rap-Version ...

 

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