Der CoolTourist

will Sie auf höchst subjektive Weise zu einer Reise durch partielle Welten der Kultur einladen.

Auf den folgenden Seiten finden Sie u.a. aktuelle Rezensionen zu

Musik (Schwerpunkt: Americana, Folk, Country, Rock), Film, Sprechtheater und Belletristik (Schwerpunkt: deutschspr. Literatur des 20. und 21. Jh.)


Bandleader und Familienvater

Drew Holcomb & The Neighbors: Dragons

 

Das Motto dieses neuen Albums von Drew Holcomb findet sich etwas versteckt im Track # 3 „I‘ll never forget the way you made me feel“. Dort formuliert der in Tennessee lebende Songwriter und Bandleader ganz schlicht: „It’s not a song, it’s my life“! Richtig: in den zehn Eigenkompositionen (bei denen fünfmal gute Freunde mitgeholfen haben) erzählt Holcomb ohne jedes Pathos und ohne Klischeeverdacht von seinem Leben als ambitionierter Musiker und Familienvater, von seiner Frau Ellie, die seine wichtigste Partnerin auf der Bühne, aber auch die Mutter dreier Kinder ist, und von seinem Großvater, der ihm einige wichtige Empfehlungen mit auf den Weg gegeben hat ...

 

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Nach dem letzten Walzer

The Weight Band: World Gone Mad

 

Es gibt schon fast zu viele Tribute Bands auf dieser Welt, die glauben von dem Vermächtnis verflossener Künstler oder Bands profitieren zu können. Ob Janis Joplin, Queen, Dire Straits, Abba, Michael Jackson oder Pink Floyd - niemand ist sicher vor der Vermarktung durch clever kalkulierende Cover-Profis.

Ganz anders liegt allerdings der Fall bei der Weight Band. Hier haben sich seit 2013 US-Musiker zusammengefunden, die in irgendeiner Weise eine Beziehung zu der legendären „Band“ haben, die bedauern, dass Robbie Robertson, Garth Hudson, Richard Manuel, Rick Danko und Levon schon 1976 zum letzten Walzer gebeten haben und dass die drei letztgenannten schon im Rock’n’Roll-Heaven gelandet sind. Sie spielen aber auf ihrem Debüt-Album keine Dauerbrenner der Band sondern neun Eigenkompositionen, die sie als „Woodstock Sound“ titulieren ...

 

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Pauline spricht mit Nora

Foto: Konrad Fersterer
Foto: Konrad Fersterer

Nora

(Staatstheater Nürnberg)

 

Den Selbstzweifeln des Regisseurs Andreas Kriegenburg, ob man denn einer heutigen Schauspielerin noch die männlichen Unterdrückungsmechanismen des 19. Jahrhunderts zumuten könne, und ob es stimmig sei, den ersten weiblichen Emanzipationsversuch der Moderne (von der UNESCO als Weltdokumentenerbe gewürdigt) wiederum aus männlicher Perspektive zu inszenieren, ist es zu verdanken, dass das Publikum im Nürnberger Schauspielhaus eine furiose und zugleich nachdenkliche wie emotionale Version von Ibsens „Nora“ geboten bekam. Da mag auch ein bisschen Koketterie des erfahrenen Inszenierungs-Profis dabei sein, das Ergebnis des gut dreistündigen Theaterabends lässt es zu, alle Wenns und Abers beiseite zu wischen ...

 

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Pointenreiches Kopfkino

Sobo Swobodnik: Alles ist anders

 

Dass in Sobo Swobodniks bisheriger Künstlerbiografie die Tätigkeiten Schriftsteller und Filmemacher gleichrangig nebeneinander stehen, darf nach seinem neuesten Roman niemand mehr überraschen. Denn "Alles ist anders" ist derartig aus der Perspektive eines Filmregisseurs und Drehbuchautors geschrieben, dass man sich beim Lesen ständig in ein pointenreiches Kopfkino versetzt fühlt. Aus einer Variation des Roadmovies "Tschick" (von Wolfgang Herrnsdorf) und einer Charakterstudie, angelehnt an "Der Zopf meiner Großmutter" (von Judith Bronsky) mixt Swobodnik eine launige Story, die viele Kilometer von West nach Ost (von einem Altersheim in der Schwäbischen Alb zu einem deutschen Soldatenfriedhof in Estland) und durch viele Jahre der deutschen Geschichte (etwa von 1939 bis 2019) führt ...

 

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Flottwells aufhaltsamer Abstieg

Der Verschwender

 

Als Hugo von Hofmannsthal die Uraufführung seines Stückes "Jedermann" 1911 in Berlin unter der Regie von Max Reinhardt erlebte, konnte er noch nicht ahnen, dass er damit einen modernen Klassiker der pädagogischen Besserungsliteratur geschrieben hat. Erst die Entscheidung, diese szenische Umsetzung des Bibelspruches "Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt“ zum touristischen Dauerbrenner der Salzburger Festspiele (seit 1920) zu machen, führte zur Kanonisierung des Mysterienspiels, das mittlerweile mehr vom Salzach-Ambiente denn vom Inhalt lebt. Dabei hatte der Österreicher Ferdinand Raimund schon 1834 ein Original-Zaubermärchen vom Sterben des reichen Mannes in Wien präsentiert: "Der Verschwender". Es handelt vom aufhaltsamen Abstieg des Julius von Flottwell, der sich trotz der Warnungen guter Geister dem Glanz des Mammons unterwirft und dann gut zwanzig Jahre später angesichts der Ruine seiner Existenz zu der Erkenntnis kommt: "Ich habe mich versündigt an der Macht des Geldes" ...

 

Ausführliche Theaterkritik unter Schau.Bühne


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Jacob allein zu Hause

Jacob Miller: This New Home

 

Mit seiner Debüt-CD im Gepäck kommt Jacob Miller zum ersten Mal zu einer einmonatigen Live-Tour nach Europa. Aufgewachsen in Wisconsin zog er 2009 an die Westküste nach Portland/Oregon, um sich dort ganz auf seine Leidenschaft für die Musik zu konzentrieren. Als Sänger, Gitarrist und Komponist eines Old Time Jazz-Sextetts mit dem Namen The Bridge City Crooners beamte er sich in die goldenen 1930er Jahre zurück, um dann aber auf den Reisen durch die USA immer mehr von den Wurzeln der amerikanischen Musik aufzusaugen und in ein Soundkonzept der Gegenwart zu filtern. So studierte er das Piedmont-Blues-Picking in North Carolina, den Folk-Rock der 70er Jahre und den Singer/Songwriter-Pop der jüngsten Vergangenheit. Aus diesen Erfahrungen konzipierte er die zehn Songs, die er für das Album „This New Home“ multiinstrumental mit der Methode Homerecording einspielte ...

 

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